Objektivdurchmesser

Vogelbeobachtung mit Fernglas

Beobachtung mit Fernglas

Die Größe und das Gewicht eines Fernglases hängen hauptsächlich vom jeweiligen Objektivdurchmesser ab.

Je größer er ist, desto mehr Licht fällt ins Innere des Glases. Theoretisch sind also Gläser mit größeren Objektivdurchmessern besser für die Beobachtung bei schwachem Licht geeignet, weil sie „mehr Licht sammeln“.

In der Praxis spielt allerdings die Qualität des jeweiligen Glases eine mindestens ebenso große Rolle.
Ein Spitzenglas „10x42“ bietet z.B. ein deutlich helleres Bild als eines aus dem Niedrigpreissegment mit den Werten „10x50“.

Das erklärt sich durch folgenden Sachverhalt:
Die hohe Kunst des Fernglasbaus liegt hauptsächlich in der genauen Abstimmung verschiedener optischer Beschichtungen auf den Linsen und Prismen im Inneren des Glases (=Vergütung), durch die sogenanntes Streu- und Falschlicht im Strahlengang minimiert werden kann. Dadurch lässt sich ein helleres, schärferes und farbechteres Bild erzeugen, als es weniger hochwertige Gläser zu bieten haben.

Typische Objektivlinsendurchmesser von Ferngläsern sind z.B. 30mm, 32mm, 40mm, 42mm, 50mm und 56mm.
Grob kann man Gläser mit Werten um 30mm als handliche und leichte Kompaktgläser, diejenigen im Bereich um 40mm als immer noch gut tragbare Universalgläser und solche mit 50mm oder mehr als zwar recht schwere, aber auch noch für ungünstige Lichtverhältnisse geeignete Gläser bezeichnen.

Ungünstige Lichtverhältnisse findet man übrigens keineswegs nur bei Dämmerung und Nacht vor: Beobachtet man Vögel innerhalb belaubter Wälder, unter dichtem Gebüsch oder bei stark bewölktem Himmel im Herbst und Winter, wird man gewisse „Lichtreserven“ bei seinem Glas sehr zu schätzen lernen!

Heutzutage bieten sehr gute Ferngläser der 40/42er-Klasse nahezu ebenso helle Bilder wie solche mit 50 oder 56mm Durchmesser. Der Kauf eines der großen Gläser lohnt sich also vor allem dann, wenn man viel bei Dämmerung und Nacht beobachten möchte und das Glas eher stationär einzusetzen gedenkt, es also nicht allzu lange am Hals hängen hat.
Wer vornehmlich bei Tageslicht beobachten möchte und auf geringes Packmaß und niedriges Gewicht (Stichwort „Nackenprobleme“) Wert legt, dem reicht in vielen Fällen ein hochwertiges 30/32er Glas aus.

Ein 40/42er Glas der Oberklasse bietet in den meisten Fällen einen sehr guten Kompromiss zwischen den beiden Extremen und man wird sich damit fast immer gut ausgerüstet fühlen!

Bushnell Fernglas Legend Ultra HD 10x42

Bushnell Fernglas Legend Ultra HD 10x42

Vergrößerung

Hier gilt nicht unbedingt der Satz „Viel bringt viel.“! Theoretisch lassen sich natürlich mit stärkerer Vergrößerung mehr Details erkennen, in der Praxis ist dies aber nur dann der Fall, wenn man das Glas auch hinreichend ruhig halten kann.

Durch die eigene Handunruhe (Zittern) und den Faktor „Wind“ wird man häufig schon bei zehnfacher Vergrößerung Probleme bekommen.

In diesem Zusammenhang ist auch zu bedenken, dass mit steigender Vergrößerung (gleichen Objektivdurchmesser vorausgesetzt) sowohl die Bildhelligkeit, als auch das überschaubare Sehfeld und die Schärfentiefe abnehmen.

Bei guten Werten lassen einen gerade die beiden letztgenannten Faktoren das gewählte Objekt schneller erfassen bzw. leichter im Auge behalten und tragen somit erheblich zum komfortablen Beobachten bei.

Beim Kauf eines Fernglases sollte man eine Vergrößerung zwischen 7fach und 10fach wählen. Hier die Vorteile der jeweiligen Vergrößerung:

7er-Gläser bieten ein sehr helles Bild mit relativ großem Sehfeld und guter Schärfentiefe und eignen sich besonders für Menschen mit unruhiger Hand sowie für die Beobachtung in Wäldern und buschigen Landschaften sowie bei Dämmerung und Nacht. Durch ihre Lichtreserven und das ruhige Bild lässt sich mit ihnen am entspanntesten und augenschonendsten beobachten. In der Praxis erkennt man mit 7facher Vergrößerung in der Regel nicht viel weniger, als mit stärker vergrößernden Gläsern.

8er- oder 8,5er-Gläser stellen einen guten Kompromiss zwischen den Vorteilen der 7er- und 10er-Gläser dar (s. dort). Sie empfehlen sich für Beobachter, die ein Universalglas für fast alle Bedingungen suchen.

10er-Gläser spielen ihre Stärken vor allem in weiten offenen Landschaften aus. Ihr relativ kleines Sehfeld und die geringe Schärfentiefe sind allerdings auch deutliche Nachteile und strengen die Augen mehr an, als dies bei schwächer vergrößernden Gläsern der Fall ist. Wer sich auch dauerhaft kein Spektiv zulegen möchte, mag mit der hohen Grundvergrößerung durchaus gut ausgerüstet sein.

Austrittspupille

Wie im Glossar beschrieben ergibt sich der Durchmesser der Austrittspupille eines Fernglases aus dem Wert des Quotienten von Objektivdurchmesser und Vergrößerung.

Bei jungen Menschen öffnet sich die Pupille des Auges in völliger Dunkelheit maximal bis etwa 7mm. Mit steigendem Alter verringert sich dieser Wert.

Um diese Pupillenöffnung seitens des Fernglases voll zu nutzen, werden dämmerungsstarke Gläser auf eine große Austrittspupille hin konstruiert. Typische Modelle sind z.B. 8x56 (=7mm Austrittspupille), 7x50 (=7,1mm Austrittspupille) und 7x42 (=6mm Austrittspupille). Austrittspupillen über 7mm können vom menschlichen Auge nicht ausgenutzt werden und würden die Optik nur unnötig groß und schwer machen.

Je größer die Austrittspupille eines Fernglases ist, desto mehr Licht fällt ins Auge und auf desto mehr lichtempfindliche Netzhautzellen wird das jeweilige Bild projiziert. Der Beobachter empfindet das als helleren Bildeindruck. Dadurch, dass sich so das Bild auf mehrere Zellen „verteilt“, steigt auch die subjektiv wahrgenommene Schärfe der Abbildung und das Beobachten wird entspannter und weniger anstrengend. Das gilt durchaus auch fürs Beobachten bei Tageslicht. Man vergleiche z.B. mal den Bildeindruck eines 10x32- mit dem eines 10x56-Glases des gleichen Herstellers.

Um das Bild seines Fernglases auch wirklich genießen zu können, sollte dessen Austrittspupille Werte um 4mm in der Regel nicht unterschreiten.

Prismen: Dachkant- oder Porro-?

Die meisten hochwertigen Ferngläser werden heutzutage in Dachkantbauweise hergestellt und haben keine Nachteile gegenüber Porro-Gläsern. Sie sind allerdings deutlich schmaler gebaut und deshalb entspannter zu handhaben, vor allem, was das Fokussieren anbelangt: Breite Porrogläser erfordern meist eine unnatürliche Handhaltung, um das Fokussierrad zu erreichen. Durch ihre schlankere Bauweise sind Dachkantgläser in der Regel auch deutlich leichter als solche mit Porroprismen.

Innenfokussierung / Wasser- und Staubdichtigkeit

Heutzutage werden viele Ferngläser mit Innenfokussierung gebaut. Hochwertig verarbeitete Modelle sind dann druckwasserdicht bis 4 oder 5m Wassertiefe, einfacher konstruierte immerhin regen- und spritzwasserdicht. In der Praxis ist es sehr angenehm, sein Glas bei Regen nicht sofort einpacken zu müssen, weil man einen Wasserschaden befürchtet.
Staubdichtigkeit ist in der Regel weniger wichtig. Am windigen Strand oder im Urlaub in „staubtrockenen“ Landschaften wird man diesen zusätzlichen Vorteil aber durchaus zu schätzen wissen.

Eignung für Brillenträger

Viele moderne Gläser lassen auch das komfortable Beobachten mit Brille zu. Allerdings versehen einige Hersteller preiswerter Produkte ihre Modelle gern mit dem Zusatz „Brillenträgerokulare“ oder „Für Brillenträger geeignet“, ohne dass das jeweilige Glas tatsächlich hält, was es verspricht. Es genügt nämlich nicht, einfach versenkbare Augenmuscheln zu verbauen, sondern das gesamte Okular muss optisch speziell darauf gerechnet und gebaut sein, was aufwändig und damit teuer ist. Im Einzelfall sollte man also prüfen, ob beim Beobachten mit Brille wirklich kein Sehfeldverlust eintritt!
Auch wer normalerweise keine Brille trägt, sollte helle Sommertage im Sinn haben, an denen man evtl. lieber mit Sonnenbrille beobachten möchte.

Fernglastest und Vergleich

Beim Fernglastest sollte man die Faustregel „Bei gutem Licht sind viele Gläser gut!“ im Kopf haben.
Je schwieriger die Lichtbedingungen beim Testen eines oder mehrerer Ferngläser sind, desto offensichtlicher zeigen sich Qualitätsunterschiede!

Wer die Möglichkeit hat, sein Wunschglas (besser noch mehrere im direkten Vergleich) probeweise mit nach Hause zu nehmen, sollte es also nicht nur bei Tageslicht, sondern auch in tiefer Dämmerung und nachts, an einem dunklen Regentag o.ä. unter die Lupe nehmen. Geht das nicht, empfiehlt es sich, zu diesem Zweck im Laden z.B. einen dunklen (Lager-) Raum o.ä. aufzusuchen.

Ein weiterer Tipp für den Fernglasvergleich im Geschäft: Betrachten Sie aus möglichst großer Distanz die schwarz-weißen Strichcodes auf Verpackungskartons. Durch ihre starken Kontraste und ihre Feinstruktur offenbaren sich Schwächen minderwertiger Gläser meist sehr schnell durch mangelnde Schärfe und schlechten Kontrast.

Natürlich geht nichts über ein Original als Anschauungsobjekt: Wann immer die Möglichkeit besteht, beim Test (und sei es vor der Ladentür) lebende Vögel zu betrachten, sollte man sie wahrnehmen.

Swarovski Fernglas EL 10x42 WB 3. Generation

Swarovski Fernglas EL 10x42 WB 3. Generation